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Amphitryon (Heinrich von Kleist)

Autor bzw. Komponist: 
Heinrich von Kleist
Untertitel: 
Ein Lustspiel nach Molière

 

Der vor 200 Jahren verstorbene Heinrich von Kleist erzählt die Geschichte des thebanischen Feldherrn Amphitryon, der von einem Feldzug zurückkehrt und feststellt, dass ein anderes Ich an seiner statt eine berauschende Nacht mit seiner Frau Alkmene erlebt hat. Stifter dieser Verwirrung ist Gott Jupiter höchstpersönlich.

 

Weil auch der Olymp ohne Liebe öde ist, hatte sich Jupiter auf die Reise zu den Menschen gemacht und in der Gestalt Amphitryons bei Alkmene eingeschlichen. Als der echte Gatte am nächsten Tag vor der Tür steht, nimmt die Verwirrung ihren Lauf und stürzt alle Beteiligten in eine handfeste Identitätskrise. Auch das Dienerehepaar Sosias und Charis bleibt dank Götterboten Merkur davon nicht verschont.

 

Wann kann ich „Ich” zu mir sagen? Was ist wahre Liebe, woran erkennt man sie?

 

Kleist, der das Lustspiel von Molière zunächst nur übersetzen wollte, formt dessen Gesellschaftskomödie zu einem tragischen Verwirrspiel um Identität und (Selbst-)Täuschung, das seine Zuschauer durch die Höhen und Tiefen seiner Figuren mitnimmt.

benötigte Personen: 
6 Personen, 4 Männer, 2 Damen

Kommentare

  Der Herr Sosias kramt in

Oktober 21, 2011 von Anja Lenßen, 30 Wochen 2 Tage ago
Comment: 10

 

Der Herr Sosias kramt in seiner Brotbüchse und findet: eine Rinde. So lernen wir, der arme Hund nagt am Brot sowie am Hungertuch. Will sagen, er ist der Buffo, die komische Figur. Weshalb er auch als Erster in den Wassergraben muss. Am Ende wird es regnen, dabei kam der Gott für dieses Mal nicht als Goldregen.

Meiningen. "Amphitryon", das ist die Schreckensvision für Ehemänner: Es könnte sich einer der Gattin nahen in Gestalt des Gatten. Hier unternimmt das Jupiter, wer sonst, und als Belohnung darf die tückisch beschlafene Alkmene den Helden Herakles gebären. Das geht komisch oder tragisch. Für Kleist ist es Lustspiel mit ernsthaften Tönen, die Unauffindbarkeit der Wahrheit war sein Lebens-Thema. In Meiningen, Matthias Kniesbeck hat inszeniert, können sie das Lustspiel.

Diese Alkmene könnte vermutlich auch mehr, doch dafür benötigte sie einen Partner.

Doch dieser Jupiter scheint die Verlebendigung seiner Statue, die Monika Gora links auf die marmorierte Vorbühne stellte. So ein steifer Hagestolz ist Ingo Brosch, so ein eitler Fatzke, der seine Göttlichkeit mit goldener Badehose stolz stolziert. Der ist nicht einen Augenblick ein echter Wettbewerber um Alkmenes Liebe, der leidet nicht einen Augenblick daran, dass die Frau in dem Gott nur ihren Gatten liebt. Der hat nicht einen Augenblick die Souveränität des Gottes, deren Verlust erst sein Flehen um Liebe erzählt. Am Ende geht er ab mit Schirm, es regnet. Christa Wolf schrieb über Kleist die Novelle "Kein Ort. Nirgends". Hier ist kein Gott. Nirgends.

Nur eine Frau, die zur Göttin taugte. Anja Lenßen hat alles, was eine Alkmene benötigt: Den Charme, den Liebreiz, die bedingungslose Liebe. Zunehmend, treibt sie die Figur in die Verwirrung, stemmt sich, ganz Kleist, gegen die Verwirrung der Gefühle und gegen die Inszenierung auch. Doch sie ist allein, sie muss gleichsam den Untertext mitspielen, den Ingo Brosch nicht hat.

Alle anderen sind redlich, Benjamin Krüger (auch er als Ampitryon unterfordert), Renatus Scheibe (Sosias), Matthias Herold (Merkur), Natascha Clasing (Charis), sie sind das etwas langatmig-behäbige Lustspiel.

Schließlich der schönste Schluss der Weltdramatik, Alkmenes "Ach". Eine Heiterkeit mit Ach und Krach.

Henryk Goldberg / 14.10.11 / TA

Z83BADB510514

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